Verknüpfung von Diagnose und Förderung mit Levumi: ein Fallbeispiel mit dem Zweitklässler Ben

In diesem Beitrag stellen wir die praktische Anwendung der Lernverlaufsdiagnostik Levumi anhand der Leseentwicklung des fiktiven Schülers Ben vor.

Es stellen sich die zentralen Fragestellungen:

  • Wie kann der Schüler Ben optimal gefördert werden?
  • Wie erfährt Bens Klassenlehrerin, dass sich Bens Leistung verbessert hat?

Vorstellung des Fallbeispiels: der Zweitklässler Ben

Ben besucht das zweite Schuljahr einer inklusiven Grundschule und zeigt Schwierigkeiten im Leseerwerb. Auch seine Klassenlehrerin Frau Schmitz beobachtet diese Entwicklung. Sie hält fest, dass Ben den Buchstabenerwerb noch nicht abgeschlossen hat und ihm noch viele Fehler beim Rekodieren unterlaufen. Auch liest er sehr langsam. Aus wissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass in dieser Phase des Leseerwerbs die Ausbildung einer angemessenen Leseflüssigkeit ein zentrales Lernziel ist.

Hier knüpft die Onlineplattform Levumi an. Levumi möchte Sie, die Lehrkräfte, dabei unterstützen Lernschwierigkeiten frühzeitig zu entdecken, individuelle Anknüpfungspunkte für die Förderung zu erkennen und die gewählten Fördermaßnahmen auf ihren Erfolg hin zu prüfen. Alle Levumi Tests sind in Anlehnung an grundlegende Kompetenzen aus dem Schulalltag konstruiert. Dies bedeutet, dass die Tests wichtige schulische Lernhürden, wie z.B. die genannte Leseflüssigkeit,  berücksichtigen. Die Klassenlehrerin Frau Schmitzt entscheidet sich für Levumis Tests der Leseflüssigkeit, um die Lernentwicklung des Schülers zu beobachten, zu dokumentieren und zu beurteilen.

Zur Erfassung der Leseflüssigkeit stehen in Levumi vier Testarten mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Verfügung: Silbenlesen, Wörterlesen, Pseudowörterlesen und der Sichtwortschatz. Alle Tests sind als Eine-Minute-Leseaufgaben konstruiert, bei dem die Schülerinnen und Schüler zufällig ausgewählte Silben oder Wörter hintereinander laut vorlesen. Die Onlineplattform übernimmt alle organisatorischen Aufgaben der Testung: Jedes Kind erhält automatisch pro Messung einen individuellen Test, damit Test-Lerneffekte ausgeschlossen werden. Alle Leseflüssigkeitstests sind lehrkraftzentriert. Während des kindlichen Vorlesens bewertet eine kompetente Leserin oder ein kompetenter Leser (z.B. die Lehrkraft Frau Schmitz), ob Lesefehler gemacht wurden.

Und welche Testart eignet sich nun für Ben? Schauen wir uns die Testarten genauer an.

Überblick über den Lernbereich Lesen mit den verfügbaren Tests der Onlineplattform Levumi (Stand August 2019)
  • Der Silbentest: Das Silbenlesen zeigt, inwiefern Lesende einzelne Laute zu einer Subeinheit (hier Silbe) zusammenschleifen. Diese Testart ist die einfachste Stufe der Leseflüssigkeit und ist somit besonders für Anfängerinnen und Anfänger im Leseerwerb und langsame Lesende geeignet. Das Silbenlesen ist die Grundlage für das Wortlesen.
  • Der Wortlesetest: Das Wortlesen stellt dar, inwiefern ein Wort beim Lesen korrekt in Silben segmentiert wird und ob Wörter als Ganzes oder einzelheitlich erlesen werden. Voraussetzung für dieses Testverfahren sind Grundkenntnisse im Silbenlesen. Viele zu lesenden Wörter sind Minimalpaare, die sich nur durch ein Graphem (also die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten in der Schriftsprache) unterscheiden (z.B. Wurm und Turm). Das fordert die Schülerinnen und Schüler zu genauem Lesen heraus.
  • Der Pseudowortlesetest: Pseudowörter sind sinnfreie Wörter, die in der deutschen Sprache keine Verwendung finden. Die Lernenden können somit die Wörter nicht als Ganzes erlesen. Dieser Test bildet ab, wie die Lernenden die einzelnen Grapheme mit Lauten verbinden und anschließend zu Silben zusammenschleifen. Es wird deutlich, wie gut den Lernenden bereits das Rekodieren mit der Silbensegmentierung eines Wortes gelingt. Dieser Test ist die schwierigste Testart der Leseflüssigkeit.
  • Der Sichtwortschatztest: Sichtwörter sind die am häufigsten vorkommenden Wörter des Deutschen, die für das Grundschulalter von hoher Bedeutung sind. Die Testart überprüft, inwiefern alterstypische Wörter des Sichtwortschatzes automatisiert von den Lernenden erlesen werden.

Dem Leseanfänger Ben gelingt nur teilweise das Erlesen einfacher Wörter, weshalb sich die Klassenlehrerin Frau Schmitz für zwei Leseflüssigkeitstests entscheidet: Silben lesen und Wörter lesen. Besonders im Anfangsunterricht empfiehlt sich eine parallele Nutzung beider Tests.

Welche Niveaustufe ist die richtige für Ben?

Jeder Levumi Test steht in mehreren Niveaustufen zur Verfügung. Die Niveaustufen steigen in ihrer Schwierigkeit (N0 ist die leichteste Niveaustufe) und sie basieren auf Schwierigkeitsmerkmalen unserer Sprache (z.B. plosive Laute sind schwieriger als dehnbare Laute). Die Niveaustufen der Leseflüssigkeitstests werden über die bekannten Buchstaben bestimmt. Die Voraussetzung für den Einsatz ist, dass der Lernende bereits die verwendeten Grapheme der Niveaustufe beherrscht. Für Ben wird die leichte Niveaustufe N1 gewählt, in der nur dehnbare Konsonanten und die Vokale vorkommen.

Bens Förderplanung: Wie häufig werden die Testungen durchgeführt?

Wie oft die Messungen angesetzt werden, ist abhängig vom Kompetenzprofil der Lesenden. Das Levumi-Team empfiehlt für Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten mehrere Messungen in kürzeren Zeitabständen bis ein stetiger Lernzuwachs erkennbar ist und sichergestellt wird, dass die unterrichtliche Förderung eine hohe Passung zu den Lernenden aufweist.

Für Ben wurde in der Förderplanung eine zusätzliche Leseförderung zwischen Februar und Juli festgehalten. Diese wird durch monatliche Testungen mit Levumi begleitet und evaluiert. Bei stagnierenden Leistungen soll eine Einzelförderung mit einem zweiwöchigen Testrhythmus zur Unterstützung der Leseentwicklung konzipiert werden. 

Das folgende Video zeigt Bens Leseleistung am 29.05.2018:

Aufnahme des Leseflüssigkeitstests Wörter lesen N1 des Schülers Ben

Auswertung der Lernverlaufsdiagnostik

Für die Überprüfung, ob eine Förderung effektiv war, stellt die Onlineplattform Levumi mehrere automatisierte Auswertungen bereit.

Dem Schüler Ben wird nach jeder Testung basierend auf der individuellen Bezugsnorm eine automatisierte und altersadäquate Rückmeldung zur Selbstkontrolle des Lernprozesses in Form des Maskottchens Levumi angezeigt.

Für Lehrkräfte werden die Messergebnisse in einem sogenannten Lernverlaufsgraphen dargestellt, um die Interpretation zu erleichtern. Ihnen stehen ein Klassengraph mit allen Lernenden für einen Vergleich hinsichtlich der sozialen Bezugsnorm und ein Individualgraph für jedes Kind zur Verfügung. Hier sehen Sie den Individualgraphen von Ben:

Individualgraph des Schülers Ben

Levumi bietet weiterhin qualitative Auswertungsinformationen an. Es werden beispielsweise die Lösungswahrscheinlichkeit und genaue Angaben zu korrekt und falsch gelösten Aufgaben angegeben und analysiert. Bei den Leseflüssigkeitstests ist somit auch eine systematische Analyse linguistischer Schwierigkeiten anhand der richtig gelesenen Silben, Wörter, etc. möglich. Diese Informationen dienen als Basis für die weitere Förderplanung.  

Levumis qualitative Auswertungsinformationen

Zur weiteren Unterstützung stehen Handbücher (z.B. Jungjohann, Mau, Diehl & Gebhardt 2019) bereit, welche Hilfestellungen für die gelingende Verknüpfung von Diagnose und Förderung enthalten. Für das basale Lesen gibt es zusätzlich kostenfrei auf www.levumi.de ein Förderhandbuch (Jungjohann, Gebhardt, Diehl & Mühling 2017) mit 6 Förderbausteinen und dazugehörigen Fördermaterialien. Dort werden typische Lesefehler und Förderideen ausgehend von Leseschwierigkeitsprofilen dargestellt und durch Kopier- und Formatvorlagen ergänzt.

Interpretation der Ergebnisse

Im Anfangsunterricht Lesen wird besonders darauf geachtet, wie schnell ein Kind liest (Lesegeschwindigkeit) und wie viele Fehler dem Kind beim Lesen unterlaufen (Lesegenauigkeit). Mithilfe der Levumi Auswertung können Sie diese beiden Komponenten leicht bewerten. Wir schauen uns Bens Testergebnisse an:

Lesegeschwindigkeit: Zum Zeitpunkt der Videoaufnahme liest Ben 7 Wörtern pro Minute richtig. In dem Klassengraphen (hier nicht abgebildet) ist zu sehen, dass Ende Mai seine Mitlernenden durchschnittlich 22 Wörter pro Minute lesen. Damit lesen sie fast dreimal so schnell wie Ben.

Lesegenauigkeit: Mit 6 falsch erlesenden Wörtern und einer Lösungswahrscheinlichkeit von 53.8% erliest Ben nur fast jedes zweite Wort korrekt.

An dem Individualgraphen erkennt Frau Schmitz, dass Bens Entwicklung im Lesen bis zur Aufnahme des Videos stagniert, da der Lernverlauf zwischen dem 05.02.2018 – 29.05.2018 nicht ansteigt. Ab Juni 2018 erhält Ben bis zum Schuljahresende zusätzlich eine Einzelförderung, die sowohl das genaue sowie das schnellere Lesen fokussiert. Dabei liest Ben alle zwei Wochen mit Levumi. In Bens Individualgraphen steigt seine Lernentwicklung ab dem 25.06.2018 deutlich sichtbar an. Aufgrund seiner positiven Lernentwicklung bewertet Frau Schmitz die Förderung als effektiv, weshalb die Förderung bis zum Schuljahresende fortgesetzt wird.

Beim Schuljahresendgespräch kann Frau Schmitz mithilfe von Levumi Ben und seinen Eltern sehr spezifische Rückmeldungen über Bens erfreuliche Lernentwicklung geben und begründen, woran Bens Förderung orientiert ist.

Das Schuljahresendgespräch mit Levumi des Schülers Ben

Das Fallbeispiel von Ben verdeutlicht, wie die Onlineplattform Levumi im Unterrichtsalltag sinnvoll genutzt werden kann. Hier steht beispielhaft die Entwicklung der Leseflüssigkeit im Vordergrund. Levumi bietet auch Tests für weitere Lernbereiche an. Schauen Sie gerne auf unserer Onlineplattform www.levumi.de vorbei!

Literatur und weitere Informationen

Jungjohann, J., Mau, L., Diehl, K. & Gebhardt, M. (2019). Levumi: Handbuch für Lehrkräfte Deutsch. Dortmund: Technische Universität Dortmund. doi: 10.17877/DE290R-19921

Jungjohann, J., Gebhardt, M., Diehl, K. & Mühling, A. (2017). Förderansätze im Lesen mit LEVUMI. Dortmund: Technische Universität Dortmund. doi: 10.17877/DE290R-18042